Der unerschrockene Kormoran

Da gibt man sich die größte Mühe, die Tiere die man fotografieren möchte nicht zu verscheuchen und trifft bei dieser Gelegenheit auf ein besonders furchtloses Exemplar. Was für ein Erlebnis, das wünscht man sich öfters. Diesmal war es ein Kormoran, der sich mir unerschrocken in den Weg stellte. Da ließ ich mich nicht lange bitten und eröffnete das Shooting.

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Ende September verbrachte ich in diesem Jahr einen kleinen Kurzurlaub auf der Insel Norderney. Das Wetter war noch recht ansprechend für diese Jahreszeit und ich dachte mir, die Gelegenheit sollte ich ergreifen. Die Insel Norderney liegt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und besitzt große Flächen, die als Schutzzonen ausgewiesen sind. Während des Vogelzugs rasten auf der Insel und im angrenzenden Wattenmeer tausende Vögel. Somit war der Zeitpunkt meines Kurzurlaubs bestens gewählt.

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Nachdem ich mich in den ersten Tagen meines Urlaubs in der Hauptsache den Möwen und Austernfischern mit Erfolg zugewandt hatte, plante ich für das Wochenende eine mehrstündige Fahrradtour mitsamt der ganzen Ausrüstung. Aber wie so oft, kommt es anders, als man denkt.

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Noch keine zwei Kilometer mit dem Rad gefahren, fiel mir auf, dass zwischen all den Möwen, Austernfischern und Knutts auch immer wieder Kormorane zu sehen waren. Sehr interessant dachte ich mir, schnell die Position notieren und weiterfahren. Während der nächsten ein bis zwei Kilometer wurde der Gegenwind jedoch immer heftiger und fahren mit dem Rad nur noch anstrengend und kräftezehrend. Kein Wunder bei der ganzen Ausrüstung, die ich mitschleppte.
So entschloss ich mich umzukehren, den Rückenwind zu genießen und mich mit den Kormoranen zu beschäftigen. Angekommen an der Position, die ich notiert hatte, waren die Kormorane jedoch nur sehr weit draußen im Watt zu sehen und für mich und mein Teleobjektiv mit gerade einmal 400mm Brennweite unerreichbar.

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Also was bleibt einem Naturfotografen da übrig, richtig – verschwinden oder warten! Ich entschloss mich zu warten und dabei einen Becher Kaffee zu genießen. Während ich also am Deich sitze und in die Ferne schaue, meinen Kaffee schlürfe und der Dinge harre, die da kommen, fällt mir auf, dass sich die Nordsee immer mehr in meine Richtung bewegt. Aha, dachte ich mir, aufkommendes Wasser! Somit sind alle Vögel gezwungen sich der Küste zu nähern, sofern sie auf dem Trockenen laufen oder ruhen wollen. Vielleicht auch die Kormorane?
Und in der Tat, wenigstens einer der Fischjäger machte sich auf den Weg in meine Richtung. In meiner Nähe befanden sich die typischen und allerorts zu sehenden Buhnen (Wellenbrecher) und dort setzte sich der Kormoran hin. Super, besser geht’s ja gar nicht, nur wie komme ich dicht genug an diesen Prachtkerl heran.

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Ganz einfach, tarnen. Haha, an einem Deich an der Nordsee, tolle Idee. Weit und breit nur Wasser und Sand zu sehen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als langsam die Distanz zum Kormoran zu verringern und zu hoffen, dass ich ihn nicht verscheuche.
Gesagt getan und siehe da, ich hatte es mit einem unerschrockenen Kormoran zu tun. Um in die ideale Position zum Fotografieren zu kommen – auf Augenhöhe – musste ich mich flach auf den Boden legen. Eigentlich ist der Kormoran ja nicht so klein, das es nicht auch gereicht hätte sich hinzuknien, aber das Gelände (der Deich) war natürlich abschüssig.

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Die vorbeikommenden Urlauber schauten bereits neugierig herüber oder amüsierten sich, dass dort einer auf dem Boden herumrobbt. Aber das ist man ja als Naturfotograf gewohnt, auf dem Boden zu liegen und von den vorbeikommenden Leuten beobachtet zu werden, insgeheim fragend ob der Typ mit der Kamera sie noch alle beisammen hat.
Unbeirrt setzte ich meinen Annäherungsversuch an den Kormoran weiter fort. So langsam war ich auf Fotodistanz herangekommen, da breite dieser Prachtkerl auf einmal seine Flügel aus. So ein Mist dachte ich mir, da robbst du hier meterweise auf dem Boden herum und jetzt fliegt er doch weg. Aber Glück gehabt, er wollte wohl nur sein Gefieder trocknen.

Endlich war ich in Position und konnte mit dem Fotografieren loslegen. Wunderbar, eine Pose nach der anderen durfte ich festhalten und nach einer guten halben Stunde, machte sich der Kormoran dann doch auf, zu seinen Kollegen zu fliegen. Glücklich erhob ich mich wieder und kehrte in meine Ferienwohnung zurück, um mich aufzuwärmen und die Fotos zu sichten.