Auge in Auge mit dem Graureiher

Endlich habe ich es geschafft und es hat mehr als ein Jahr gedauert!!
Eigentlich wollte ich bei diesem regnerischen Tag mit dem Auto an meinem Lieblingsweiher auf dem Eringelände in Castrop-Rauxel vorbei fahren. Dann dachte ich mir, ach was soll’s, mal sehen, was so los ist. Im Moment sind dort sehr viele Jungtiere zu sehen, von Stockenten, kanadischen Gänsen, Bläsrallen, Teichrallen über Lachmöwen ist alles vertreten. Ich ging langsam um den Teich herum, es regnete immer fester und ich wollte schon gehen, da sah ich ihn. Der Graureiher saß seelenruhig auf einem der großen Steine am Ufer des Teichs und ließ sich Nassregnen.

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Jetzt begann das immer wiederkehrende Spiel eines Naturfotografen. Wie nähert man sich dem Objekt der Begierde, ohne dass das Tier die Flucht ergreift. Aber an diesem Tag, bei diesem miesen Wetter, war irgendwie alles anders. Sorgfältig stellte ich meine Kamera ein und legte alles was ich nicht benötigte ins Gras. Jetzt bloß keine ruckartige Bewegung dachte ich mir und ging langsam in die Hocke, um mit dem Graureiher auf Augenhöhe zu sein.

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Die ersten Fotos schoss ich aus relativ großer Entfernung, zumindest für mein EF 100-400mm Objektiv. Aber ich wollte dieses wunderschöne Tier so groß wie möglich abbilden, also bewegte ich mich in der Hocke im Entengang langsam voran. Nach vorne stütze ich mich mit meinem Manfrotto Einbeinstativ ab und das nasse Gras half mir dabei mehr zu rutschen als zu gehen. Ich hatte das Gefühl, als wenn ich noch etwa zwei Stunden bräuchte, um schön nah an den Graureiher heranzukommen. Immer wieder drehte er den Kopf in meine Richtung und sah mich an. Regungslos blieb ich in der Hocke. Er drehte den Kopf weg und wieder kam ich ein paar cm näher heran.

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Es war jetzt sicher bereits eine halbe Stunde vergangen und mein rechtes Bein machte schlapp, so ein Mist, ausgerechnet jetzt schläft mir das Bein ein. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu erheben und das wenn irgend möglich, wieder in Zeitlupe. Was für eine Erholung, ich stand wieder und es kehrte langsam Leben in mein Bein zurück. Der Graureiher schien von meiner Notaktion unbeeindruckt zu sein und zeigte keine Anzeichen, dass ich ihm zu nah gekommen wäre, obwohl ich (und er) jetzt aufrecht stand und nur noch gute 10m von ihm entfernt war. Auch auf die Gefahr hin ihn zu verscheuchen, entschloss ich mich nun, mit ganz kleinen Schritten und schön behutsam die Distanz zu diesem Prachtkerl weiter zu verkürzen.

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Es war kaum zu glauben, es funktionierte! Jetzt war ich auf ca. 4m herangekommen und der Regen wurde immer stärker. Aus den Augenwinkeln sah ich auf einmal links von mir eine Bläsralle am Uferrand. Dieser doch recht schreckhafte Geselle, könnte mir jetzt alles verderben. Hoffentlich flüchtet die Ralle jetzt nicht in Panik und wie lange kann ich meine Kamera noch dem Regen aussetzen. Diese Gedanken schwirrten mir im Kopf herum, während ich mich bemühte für die Fotos wieder langsam in die Hocke zu gehen. Die Aufregung, die einem dabei durch den ganzen Körper geht, ist unbeschreiblich. Das ist Naturfotografie, wie ich sie noch nie erlebt hatte.

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Jetzt hatte ich meine Wunschposition eingenommen (von der Bläsralle war nichts mehr zu sehen) und ich begann damit, ein Foto nach dem anderen zu machen. Ich kam mir dabei vor, als wenn der Graureiher sich gedacht hätte, „Der Typ versucht schon so lange von mir ein Foto zu machen, dann halte ich jetzt auch mal still“. Nach gut einer Stunde machte ich mich dann mit langsamen Bewegungen auf den Rückweg, weil verscheuchen, wollte ich den Graureiher auch jetzt nicht. Ich muss sagen, es war einfach ein wunderschönes Erlebnis, mit völlig verdreckten und nassen Klamotten, einer gut gewaschenen Kameraausrüstung und einer Speicherkarte voll mit tollen Fotos.